Welches Depot für die Frühstart-Rente? Anbieter und Kriterien im Vergleich
Beim Standarddepot für die Frühstart-Rente sind die Spielregeln für alle Anbieter gleich, die Ergebnisse werden es nicht sein. Der größte Unterschied liegt in den Kosten und in den zwei Fonds, die jeder Anbieter selbst auswählt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Frühstart-Rente fließt laut Entwurf nur in einen zertifizierten Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge auf den Namen des Kindes.
- Jeder Anbieter wählt zwei Fonds: einen schwankungsarmen und einen chancenreichen. Die Aufteilung bestimmen Sie.
- Die Effektivkosten sind auf 1,0 % pro Jahr gedeckelt. Wer deutlich darunter liegt, bringt über Jahrzehnte spürbar mehr.
- Abschlusskosten sind bis zum 18. Geburtstag verboten, auch beim Wechsel.
- Zertifizierte Produkte gibt es noch nicht. Alle Anbieter-Ankündigungen stehen unter Vorbehalt.
Inhalt
Für die Frühstart-Rente brauchen Sie laut Gesetzentwurf einen zertifizierten „Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge“ auf den Namen Ihres Kindes. Anbieten darf ihn jede Bank, Fondsgesellschaft, Versicherung oder Bausparkasse mit Zertifizierung. Entscheidend für die Wahl sind die laufenden Kosten und die Qualität der beiden Fonds, die der Anbieter festlegt.
Ein Vorbehalt vorweg: Stand Ende September 2026 ist das Frühstartrentengesetz nicht beschlossen, und kein Frühstart-Produkt ist zertifiziert. Was Anbieter bisher angekündigt haben, stammt aus Pressemitteilungen und Medienberichten. Die Kriterien unten gelten aber unabhängig davon, wer am Ende was anbietet.
Was ein Standarddepot ausmacht
Den Vertragstyp hat das Altersvorsorgereformgesetz geschaffen, das seit Mai 2026 beschlossen ist. Die Regeln in § 1 Abs. 1c Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz sind für alle Anbieter gleich:
- Der Anbieter bestimmt zwei Investmentfonds: einen der Risikoklasse 1 bis 2 und einen der Risikoklasse 3 bis 5. Beide müssen OGAW sein, also regulierte Publikumsfonds nach EU-Recht, wozu die meisten ETFs gehören.
- Sie legen fest, wie sich die Einzahlungen auf die beiden verteilen. Tun Sie das nicht, gilt die Standardaufteilung des Anbieters.
- Vor der Auszahlung wird automatisch umgeschichtet: fünf Jahre vorher höchstens 50 %, zwei Jahre vorher höchstens 30 % im chancenreichen Fonds.
- Die Effektivkosten sind auf 1,0 % pro Jahr begrenzt.
- Der Abschluss geht online, eine Beratung ist nicht vorgeschrieben.
Der Frühstart-Entwurf ergänzt: Bis zum 18. Geburtstag dürfen weder beim Abschluss noch bei einer Übertragung auf einen anderen Vertrag des Kindes Abschluss- oder Vertriebskosten anfallen. Kostenersatz vom Bund bekommen die Anbieter nicht.
Was die Anbieter frei gestalten, sind also genau drei Dinge: welche Fonds sie nehmen, wie hoch die Kosten unterhalb des Deckels sind und wie gut Service und Onlinezugang funktionieren.
Kosten: Der Deckel ist kein Maßstab
1,0 % Effektivkosten klingen nach wenig. Über 61 Jahre ist das eine Menge Geld. Weltweit streuende Aktien-ETFs kosten häufig nur einen Bruchteil davon, und Anbieter, die solche Fonds ins Standarddepot nehmen, können deutlich unter dem Deckel bleiben.
Zahlen Eltern zusätzlich 25 € im Monat ein, wird der Abstand größer: Unter denselben Annahmen stehen mit 67 rund 113.900 € (0,2 %) gegen 74.700 € (1,0 %). Das ist der wichtigste Grund, beim Anbieter nicht einfach die Hausbank zu nehmen, ohne die Kosten zu vergleichen.
Die Effektivkosten müssen Anbieter als Gesamtkostenindikator nach den EU-Regeln für Anlageprodukte (PRIIP-Verordnung) ausweisen. Diese eine Zahl enthält Fondskosten und Vertragskosten zusammen. Vergleichen Sie genau diese Zahl, nicht die „Depotgebühr“ oder die „Ordergebühr“ allein.
Die zwei Fonds genauer ansehen
Nach den Kosten ist die Fondsauswahl das zweite Kriterium. Hier unterscheiden sich die Anbieter stärker, als es auf den ersten Blick scheint.
Der chancenreiche Fonds. Das ist der Motor über 60 Jahre. Schauen Sie, was er abbildet. Ein Fonds auf einen weltweiten Aktienindex mit mehreren Tausend Unternehmen ist breit gestreut. Ein Fonds nur auf deutsche oder europäische Aktien, ein aktiv gemanagter Hausfonds oder ein Themenfonds bündelt Risiken. Fondsgesellschaften mit eigenem Vertrieb werden naheliegend eigene Fonds nehmen. Das muss nicht schlecht sein, prüfen Sie aber Kosten und Streuung.
Der schwankungsarme Fonds. Geldmarkt- oder kurzlaufende Anleihefonds. Für ein Kind mit 60 Jahren Anlagehorizont spielt er zunächst kaum eine Rolle, wichtig wird er erst in den Jahren vor der Rente.
Die Standardaufteilung. Fragen Sie, welche Aufteilung gilt, wenn Sie nichts festlegen. Ein Anbieter, der für Sechsjährige standardmäßig die Hälfte in den Geldmarktfonds legt, verschenkt über die Laufzeit viel Rendite. Sie können die Aufteilung selbst bestimmen. Für ein Kind im Grundschulalter halten wir einen sehr hohen Anteil im chancenreichen Fonds für vertretbar, weil bis zur ersten Auszahlung fast sechs Jahrzehnte vergehen. Garantiert ist dabei nichts, auch über lange Zeiträume nicht.
Anbietertypen im Überblick
| Anbietertyp | typische Stärke | worauf achten |
|---|---|---|
| Neobroker, Online-Broker | oft günstige ETFs, App, Integration ins Kinderdepot angekündigt | welche zwei Fonds genau, Service bei Problemen |
| Direktbanken | Kombination mit bestehendem Juniordepot | Kosten des Standardprodukts gegenüber dem freien Depot |
| Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken | persönliche Ansprechpartner, Filiale | meist Fonds der eigenen Gruppe; Kosten vergleichen |
| Fondsgesellschaften | eigene Fondspalette | Streuung und Kosten der Hausfonds |
| Versicherer | dürfen Standarddepots ebenfalls anbieten | Kostendeckel gilt auch hier; Verkauf von Zusatzprodukten |
Angekündigt haben Frühstart- oder Standarddepot-Angebote nach Medienberichten unter anderem mehrere Neobroker, Direktbanken, die Fondsgesellschaften der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken sowie einzelne Versicherer. Konditionen nennen wir bewusst nicht. Sie sind vor der Zertifizierung unverbindlich und ändern sich erfahrungsgemäß schnell.
Die eigene Bank ist nicht automatisch die beste Wahl
Viele Eltern werden das Frühstart-Depot dort eröffnen, wo sie selbst Konto oder Depot haben. Das ist bequem, und die Legitimation ist oft schon erledigt. Wer allerdings bei einer Filialbank mit hauseigenen Fonds ist, sollte das Angebot mit mindestens einem günstigen Onlineanbieter vergleichen, sobald die Produkte zertifiziert sind.
Umgekehrt gilt: Ein Neobroker ist nicht automatisch günstig. Entscheidend ist nicht die Werbung mit „0 Euro Depotgebühr“, sondern der Gesamtkostenindikator des Standarddepots. Und wer Wert auf eine Ansprechperson legt, weil etwa die Großeltern mit einzahlen und Fragen haben werden, darf das in die Abwägung einbeziehen. Ein paar Zehntelprozent Mehrkosten sind vertretbar, wenn der Vertrag dafür wirklich genutzt und bespart wird.
Wechsel: Sie sind nicht festgelegt
Die Wahl des Anbieters ist keine Entscheidung fürs Leben. Vor dem 18. Geburtstag kann das Guthaben vollständig in ein anderes Standarddepot übertragen werden, ohne Abschluss- oder Vertriebskosten. Ab 18 steht jeder zertifizierte Altersvorsorgevertrag offen.
Nach dem Altersvorsorgereformgesetz darf der abgebende Anbieter allgemein höchstens 150 € berechnen, wenn der Vertrag weniger als fünf Jahre läuft, danach ist der Wechsel kostenfrei. Der aufnehmende Anbieter darf eine Verwaltungspauschale von höchstens 150 € verlangen. Wie diese Pauschalen mit dem Kostenverbot bis 18 aus dem Frühstart-Entwurf zusammenspielen, ist in den bisherigen Unterlagen nicht eindeutig. Fragen Sie bei einem Wechsel vorher nach.
Checkliste für die Anbieterwahl
- Ist das Produkt zertifiziert? Ohne Zertifizierung keine Frühstart-Rente.
- Wie hoch ist der Gesamtkostenindikator? Deutlich unter 1,0 % ist das Ziel.
- Welcher Fonds ist der chancenreiche? Index, Streuung, Kosten.
- Welche Standardaufteilung gilt? Und wie ändern Sie sie?
- Wie laufen Einzahlungen von Eltern und Großeltern? Sparplan, Einzelüberweisung, Obergrenze von 6.840 € pro Jahr.
- Lässt sich das Depot online verwalten, und bekommt Ihr Kind mit 18 einen eigenen Zugang?
- Passt es zu dem, was Sie schon haben? Ein Kinderdepot beim gleichen Anbieter ist bequem, aber kein Muss.
Wenn Sie parallel ein frei verfügbares Kinderdepot eröffnen wollen, ist das Vorgehen dasselbe wie heute schon, beschrieben im Artikel Kinderdepot eröffnen. Anbieter, bei denen das heute möglich ist:
Zum Kostendeckel und zum Standardprodukt beim Altersvorsorgedepot für Erwachsene steht mehr im Artikel über die Kosten des Altersvorsorgedepots. Ob sich eigene Einzahlungen in den Frühstart-Vertrag lohnen, bespricht der Artikel zum Zuzahlen durch Eltern und Großeltern. Die Grundlagen stehen im Überblick was die Frühstart-Rente ist.
Frühstart-Rente-RechnerHäufige Fragen
Bei welcher Bank kann ich die Frühstart-Rente abschließen?
Was kostet ein Depot für die Frühstart-Rente?
Kann ich den Anbieter der Frühstart-Rente später wechseln?
Kann ich die Frühstart-Rente in ein normales Kinderdepot einzahlen lassen?
Quellen
- Altersvorsorgereformgesetz vom 26.05.2026, BGBl. 2026 I Nr. 156 (§ 1 Abs. 1c, § 2a AltZertG)
- Bundesfinanzministerium – Regierungsentwurf Frühstartrentengesetz (PDF), §§ 3, 5, 12
- Handelsblatt – Übersicht angekündigter Frühstart-Rente-Angebote
- envestor – Übersicht Altersvorsorgedepot 2027
- Union Investment – Frühstartrente
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