Rente aufschieben und Aktivrente kombinieren: Zuschlag, Steuer, Rechnung
Die Aktivrente setzt keinen Rentenbezug voraus. Sie können also weiterarbeiten, die Rente später beginnen lassen und dafür einen lebenslangen Zuschlag kassieren. Ob das klug ist, entscheidet vor allem die Zeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Jeder Monat, den Sie die Altersrente nach der Regelaltersgrenze später beginnen, erhöht sie dauerhaft um 0,5 %, ein Jahr also um 6 %.
- Die Aktivrente gilt auch ohne Rentenbezug. Während des Aufschubs bleiben bis zu 2.000 € Lohn im Monat steuerfrei.
- Ohne Rente zahlen Sie weiter Rentenversicherungsbeiträge und erwerben zusätzliche Entgeltpunkte.
- In unserem Beispiel holt man die entgangene Rente erst nach rund 16 Jahren wieder herein.
Inhalt
Wer die Rente nach der Regelaltersgrenze aufschiebt, bekommt für jeden Monat 0,5 % Zuschlag, lebenslang. Mit der Aktivrente lässt sich das kombinieren: Sie arbeiten weiter, bis zu 2.000 € Lohn im Monat bleiben steuerfrei, und die Rente startet später, dafür höher.
Die Kombination klingt nach doppeltem Gewinn. In der Rechnung zeigt sich aber, dass der Aufschub vor allem eine Wette auf ein langes Leben ist. Die Aktivrente macht diese Wette nicht besser, sie macht nur das Weiterarbeiten attraktiver, und das gilt mit und ohne Rentenbezug.
So funktioniert der Zuschlag
Die Höhe Ihrer Rente hängt unter anderem vom Zugangsfaktor ab (§ 77 SGB VI). Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, bekommt einen Abschlag von 0,3 % pro Monat. Wer später geht, bekommt einen Zuschlag von 0,5 % pro Monat.
| Aufschub nach der Regelaltersgrenze | Zuschlag | aus 1.600 € Rente werden |
|---|---|---|
| 6 Monate | 3 % | 1.648 € |
| 12 Monate | 6 % | 1.696 € |
| 24 Monate | 12 % | 1.792 € |
| 36 Monate | 18 % | 1.888 € |
Dazu kommen die Rentenansprüche aus der Arbeit in der Aufschubzeit, weil Sie ohne Rentenbezug weiter Beiträge zahlen. Und die jährlichen Rentenerhöhungen zum 1. Juli gelten natürlich auch für die aufgeschobene Rente. Für Ihre eigenen Zahlen gibt es den Zuschlag-Rechner.
Einen Antrag auf Aufschub gibt es übrigens nicht. Die Altersrente wird nur auf Antrag gezahlt. Wer ihn nicht stellt, schiebt auf. Wie der Rentenantrag später funktioniert, steht unter Rente beantragen.
Was die Aktivrente am Aufschub ändert
Vor 2026 war der Aufschub steuerlich oft unattraktiv, weil das Gehalt voll versteuert wurde. Heute sind bis zu 24.000 € Lohn im Jahr steuerfrei, auch ohne Rente. Für den Aufschub hat das zwei Folgen.
Erstens ist das Netto im Aufschubjahr höher als früher. Zweitens verringert sich ein Argument für den Aufschub: Früher sparte man sich im Arbeitsjahr die Steuer auf die Rente, die bei hohem Gehalt mit einem hohen Satz belastet wurde. Mit der Aktivrente ist das Gehalt größtenteils steuerfrei, die Rente läuft also auch bei gleichzeitigem Bezug in einem niedrigen Steuersatz. Der Steuervorteil des Aufschubs schrumpft.
Zwei Szenarien im Vergleich
Nehmen wir eine Angestellte, Jahrgang 1959, die im Dezember 2025 ihre Regelaltersgrenze erreicht hat. Ihr Rentenanspruch liegt bei 1.600 € im Monat. Sie arbeitet 2026 weiter und verdient 3.000 € brutto im Monat. Sie ist alleinstehend, gesetzlich versichert und zahlt keine Kirchensteuer.
Szenario A: Sie bezieht ab Januar 2026 ihre Rente und arbeitet nebenbei. Als Vollrentnerin zahlt sie keine Renten- und Arbeitslosenversicherung und den ermäßigten Krankenversicherungsbeitrag.
Szenario B: Sie schiebt die Rente um zwölf Monate auf, lebt 2026 nur vom Gehalt und bleibt rentenversicherungspflichtig. Ab Januar 2027 bekommt sie die Rente mit 6 % Zuschlag plus die Entgeltpunkte aus dem Arbeitsjahr.
Die Angestellte aus dem Beispiel wäre dann über 83 Jahre alt. Erst danach liegt Szenario B vorn. Schiebt sie zwei Jahre auf, ergibt sich ein ähnliches Bild: Der Rückstand und das monatliche Plus verdoppeln sich ungefähr, der Break-even bleibt bei rund 16 Jahren nach Rentenbeginn.
Die Rechnung ist vereinfacht. Künftige Rentenerhöhungen steigern beide Renten prozentual gleich, verschieben die Differenz in Euro also leicht zugunsten von B. Steigende Grundfreibeträge wirken in die andere Richtung, weil die höhere Rente in B stärker besteuert wird. An der Größenordnung ändert das wenig.
Wann der Aufschub trotzdem sinnvoll ist
- Sie brauchen das Geld nicht. Wer vom Gehalt gut leben kann und die Rente sonst nur anspart, verliert im Aufschubjahr weniger an Lebensqualität, als die Zahlen suggerieren. Die angesparte Rente würde ja auch nur auf dem Konto liegen.
- Sie rechnen mit einem langen Leben. Wer gesund ist und aus einer Familie mit hoher Lebenserwartung kommt, hat bessere Chancen, die Gewinnzone zu erreichen. Eine Garantie gibt es nicht.
- Sie wollen die Hinterbliebenen absichern. Eine höhere eigene Rente wirkt sich auch auf eine spätere Witwen- oder Witwerrente aus. Wie diese berechnet wird, steht unter Witwenrente.
- Sie haben keine anderen Einkünfte im Alter. Dann ist eine höhere lebenslange Rente eine Absicherung gegen Langlebigkeit, die man privat nur teuer kaufen kann.
Wann Sie die Rente lieber sofort nehmen
- Wenn Sie gesundheitlich angeschlagen sind oder in Ihrer Familie niemand sehr alt wird.
- Wenn Sie das Geld für Tilgung, Pflege oder Unterstützung von Angehörigen gut gebrauchen können.
- Wenn Sie die Rente anlegen können. Wer die gesparte Rente aus Szenario A anlegt, verschiebt den Break-even weiter nach hinten, denn auch das Geld aus dem Aufschubjahr hätte Erträge gebracht.
Die Mittelweg-Variante: Rente beziehen und verzichten
Wer die Rente sofort nimmt, aber trotzdem die Rente durch die Arbeit erhöhen will, kann auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Dann zahlen Sie 9,3 % vom Lohn und erwerben Entgeltpunkte, verzichten aber nicht auf ein Jahr Rente. Bei 3.000 € Lohn kostet das rund 279 € im Monat und bringt rund 29 € mehr Rente pro Arbeitsjahr. Nach rund 9,5 Jahren ist der Beitrag brutto zurückgeflossen, also deutlich früher als beim Aufschub. Die Einzelheiten stehen im Artikel Aktivrente und Sozialabgaben.
Zuschlag-Rechner für den späteren RentenbeginnUnsere Einschätzung
Die Aktivrente ist ein gutes Argument, nach der Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten. Sie ist kein besonderes Argument, die Rente aufzuschieben. Für die meisten, die ohnehin arbeiten, ist die Kombination aus Rentenbezug und steuerfreiem Lohn finanziell die sicherere Wahl, eventuell ergänzt um den Verzicht auf die Versicherungsfreiheit. Den Aufschub empfehlen wir nur denen, die das Geld nicht brauchen und auf ein langes Leben setzen möchten.
Wie viel die Aktivrente in Ihrer Konstellation netto bringt, zeigt der Rechner. Die Grundlagen stehen im Hauptartikel Was ist die Aktivrente?.
Aktivrente-Rechner: Ihr Netto-VorteilHäufige Fragen
Wie viel Zuschlag gibt es, wenn ich die Rente aufschiebe?
Kann ich die Rente aufschieben und trotzdem die Aktivrente bekommen?
Ab wann lohnt sich der Rentenaufschub?
Muss ich den Rentenaufschub beantragen?
Quellen
- § 77 SGB VI – Zugangsfaktor (Abschlag und Zuschlag)
- § 3 Nr. 21 EStG – gesetze-im-internet.de
- § 32a EStG – Einkommensteuertarif 2026
- Deutsche Rentenversicherung – Weiterbeschäftigung von Rentenbeziehern
- Deutsche Rentenversicherung – Rentenwert ab 1. Juli 2026
- Deutsche Rentenversicherung – Besteuerungsanteil nach dem Wachstumschancengesetz
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